© 1998-2010 Niels Trettin
Atari / Atari - Die Geschichte
Atari - Die Geschichte
Nolan Bushnell wurde als Sohn einer Mormonenfamilie im US-Bundesstaat Utah geboren und verbrachte dort seine Kinder- und Jugendjahre. Während seiner Schulzeit arbeitete er nebenbei so viel, daß seine schulischen Leistungen sehr darunter litten und er gerade mal so mit "Ach und Krach" die Schule abschloß. Nach eigenen Aussagen erhielt er sein Ingenieursdiplom "als 197ter von 197". Zu dieser Zeit kam er das erste Mal in den Kontakt mit Computern. Seine Liebe zum Spiel veranlaßte ihn dazu, fortan Spiele für Computer zu schreiben. Nach Abschluß seines Ingenieursstudiums bewarb er sich dann bei der Firma, die für ihn die faszinierendste und größte schlechthin war - bei Walt Disney. Wegen seiner nicht gerade überzeugender Zeugnisse erhielt er dort eine Absage. Schließlich fand er eine Anstellung bei der Firma Ampex in Redwood City, am Rande des Silicon Valley. Dort wurde er als Entwicklungsingenieur eingestellt. Die Firma Ampex war zu dieser Zeit der bekannteste Hersteller für Videokassetten. Sein Job bei Ampex füllte Bushnell ganz und gar nicht aus; er langweilte sich, war allerdings mittlerweile verheiratet und mußte eine Familie versorgen. Jede freie Minute nutzte er dazu, seiner wahren Leidenschaft nachzugehen: Der Entwicklung von Computerspielen. Dies ging sogar soweit, daß er das Kinderzimmer seiner jüngsten Tochter annektierte, um ausreichend Platz und Ruhe zu finden. Es gab zwar schon viele, die Computerspiele entwickelten; dies jedoch ausschließlich auf Großrechnern oder Minicomputern. Bushnell war der erste, dem es gelang, ein Spiel zu entwickeln, welches in eine kleine Kiste paßte.

1970 entwickelte er das Spiel "Computer Space", das auf das damals bekannte Großrechner Computerspiel "Spacewar" basierte und verkaufte es an die Firma Nutting Associates. Der notwendige Erfolg konnte sich allerdings nicht einstellen, das Spiel wurde als Flop recht bald vom Markt genommen. 1972 war es dann soweit, Bushnell entwickelte das weltberühmte Spiel PONG. Pong war ein einfaches Tischtennisspiel auf dem Bildschirm, bei dem die Spieler mit einem oder zwei Drehknöpfen ihren jeweiligen Schläger, der als senkrechter Strich auf dem Bildschirm erschien, nach oben und unten bewegen. Der Ball, dargestellt durch einen mehr oder minder großen viereckigen Punkt, flog nun von einer Bildschirmseite zur anderen. Der Spieler mußte versuchen, den Ball daran zu hindern, seitlich zum Bildschirmrand zu verschwinden.

Bushnell versuchte, Pong ebenfalls an eine Firma zu verkaufen, hatte allerdings keinen Erfolg. Niemand wollte PONG kaufen, um es zu produzieren. Da tat er das einzig richtige: Er kündigte seinen Job bei Ampex und gründete mit nur $250 seine eigene Firma, der er den Namen "Sygyzy" gab. Obwohl dieser Name eigentlich mehr als ungewöhnlich war, gab es bereits eine Firma, die ebenfalls unter diesem Namen firmierte. Er mußte sich also einen neuen Namen ausdenken und wählte den Begriff ATARI aus dem japanischen Spiel GO, was soviel wie "ich greife an" hieß. Somit war ATARI geboren und Bushnell baute PONG nun in eine "Kiste" ein, die nach Einwurf einer Viertel-Dollar Münze das Spiel startete. Diese erste Coin-up-Maschine stellte er in Andy Capp´s Taverne in Sunnyvale auf. Nach kurzer Zeit erhielt er einen Anruf von Andy, der ihn aufforderte, seine Maschine wieder abzuholen. Das "Ding" funktioniere nicht mehr. Enttäuscht und neugierig darauf,warum seine neue Erfindung nicht mehr laufen sollte, machte er sich auf den Weg zu Andy´s Taverne. Es wartete eine Riesenüberraschung auf ihn. Seine Spielmaschine funktionierte tatsächlich nicht mehr - doch das lag daran, daß die Kassette, die die Münzen aufnahm, voll war. Er leerte die Geldkassette und sofort begannen die Leute wieder, Geld in seine Maschine zu werfen. Er baute immer mehr Spielkonsolen und verkaufte sie in die ganze Welt.

Die erste PONG-"Maschine" lieferte er im November 1972 aus, 1973 verkaufte Atari 10.000 Spiele zum Stückpreis von 1200 Dollar. 1975 entwickelte Atari schließlich eine Version, die auch an den Fernsehgeräten zu Hause nutzbar war: ULTRA PONG. Auch diese Version war ein großartiger Verkaufserfolg. Alleine die Warenhaus- und Versandhauskette SEARS kaufte 100.000 Spiele von Atari. 1976 überstieg der Umsatz von Atari die 20-Millionen-Dollar-Grenze. In den folgenden Jahren produzierte Atari viele weitere Coin-op-Spielautomaten, einige davon waren z. B. Pacman, Asteroids, Battlezone (wurde zusätzlich in einer speziellen Version für die US-Army produziert) und Centipede.

Obwohl Bushnell die Firma gegründet hatte und alles tat, damit sie expandieren konnte, war er kein Geschäftsmann. Er war sich dessen bewußt und verkaufte Atari schließlich im Jahr 1976, um nicht Gefahr zu laufen, irgendwann, wenn die Firma zu groß wurde, zu scheitern.

Als ersten möglichen Interessenten kontaktierte er erneut seine Lieblingsfirma, Walt Disney. Walt Disney war aber, wie sich herausstellte, noch nicht einmal im entferntesten intressiert. Man lehnte sein Angebot rundweg ab. Bushnell fand dann in der Firma Warner Communcation, die im Musikgeschäft sehr erfolgreich war, einen geeigneten Partner. Sie zahlten für die Firma Atari 28 Millionen Dollar an Nolan Bushnell und Bushnell konnte 15 Millionen davon in seine eigene Tasche fließen lassen.

Er führte noch für weitere zwei Jahre die Geschäfte Ataris, bis Warner ein eigenes Management einsetzte. Man wollte Bushnell als zweiten Vorstand weiter behalten, er konnte mit dieser Position jedoch nichts anfangen und fühlte sich aufs Abstellgleis geschoben, so daß er schließlich seine eigene Firma verließ. Der von Warner eingesetzte Geschäftsführer Raymond Kassar hatte zuvor 25 Jahre bei Burlington Industries, einem der führenden Modehersteller (wir erinnern uns an die gleichnamigen Socken, die in den 80ern wahrer Standard wurden) gearbeitet.

1979 wird die Video-Game-Konsole VCS 2600 vollendet, die sich jedermann für einen erschwinglichen Preis kaufen konnte und so eine unbegrenzte Anzahl von Spiele über den heimischen Fernseher spielen konnte. Das ATARI VCS 2600 Video Game System wurde, besonders dank eines Spieles ein Erfolg:

Space Invaders war ursprünglich 1978 von der japanischen Firma Taito entwickelt worden und löste in Japan eine wahre Währungskrise aus - Es gab keine Yen-Münzen mehr im freien Handel, weil diese alle in die Space-Invaders-Automaten wanderten. Der Vorrat an Yen-Münzen wurde von der Regierung vervierfacht. Zunächst hatte Atari wegen finanzieller Engpässe Schwierigkeiten, das VCS 2600 in großen Stückzahlen zu produzieren, dank des recht eilig von Atari produzierten Space-Invader-Moduls begann es sich wie wild zu verkaufen. Über 400.000 Stück gehen im Weihnachtsgeschäft über die Ladentische. Am 16. Dezember 1979 ist das Atari VCS in den USA ausverkauft.

Niemand weiß, wieviel Atari durch das Space-Invaders-Fieber wirklich hätte absetzen können, wenn eine ausreichend große Stückzahl hätte produziert werden können. Manche Fachleute schätzen, daß es über eine Million gewesen wären, wenn der Vorrat nicht ausgegangen wäre.

Auch Spielautomaten wurden nach wie vor von Atari gebaut. Die Antwort auf den erfolgreichen Space-Invaders-Automaten war Howard Delmans zweites Vektor-Grafik-Spiel "Asteroids". Asteroids ist so gut, daß es Produktionsprobleme gibt: Die Arbeiter in der Atari-Fabrik spielen stundenlang an den Geräten, die noch auf dem Fließband stehen. Als Asteroids das erste Mal im November 1979 auf einer Messe gezeigt wird, sind Automaten-Aufsteller nicht besonders begeistert, wollen nur wenige Automaten kaufen.

Bei Atari schaltet man schnell. Man nimmt die kleinen Bestellungen gar nicht erst an, sondern gibt den Aufstellern einzelne Maschinen für eine Testphase. In den darauffolgenden Wochen verkauft Atari mehr, als sich die Geschäftsleitung erträumen kann. Man hoffte, daß Asteroids bis Juni 1980 laufen und Geld in die Firma bringen würde, es verkauft sich jedoch blendend bis zum März 1981. Insgesamt werden von Asteroids 70.000 Automaten gebaut, bis heute ist es der erfolgreichste Spielhallen-Automat aller Zeiten.

Im Jahr 1978 brachte Atari, angetrieben vom großen Erfolg, den Apple mit den ersten, für den Heimbereich gebauten Computern hatte, seinen ersten Computer heraus, den Atari 800. Zusätzlich wurde eine etwas preisgünstigere Alternative, die eher für den Hobby-Bereich gedacht war, entwickelt, der Atari 400.

Die Atari-Computer entwickelten sich zum großen Erfolg. 1982 brachte Atari eine weiterentwickelte Version, vor allen Dingen, was das Design des Rechners betraf, heraus, den Atari 1200 XL, der jedoch nur in den USA in geringerer Stückzahl verkauft wurde, außerdem als Nachfolger der legendären VCS 2600-Konsole das VCS 5200, das im inneren die Technik der Atari-Computer beinhaltete.

Recht bald im Jahre 1983, kamen die preislich günstigeren 600 XL und 800 XL (s. Bild) hinzu, die weltweit einen sehr großen Erfolg verzeichneten und für ihre Zeit technisch zu dem besten gehörten, was es auf dem Heimcomputer-Markt gab.

In diesem Jahr begann für Atari die große Katastrophe, die Zeit der Videogames war so langsam vorüber, die Umsätze, besonders im VCS-Geschäft, stagnierten, immer weniger Produkte wurden verkauft und die Verluste der Firma stiegen ins Unermeßliche. Der Jahresverlust 1983 betrug $536 Millionen, teilweise bis zu $2 Millionen täglich. Um den Verlust ein wenig aufzufangen, begann Atari damit, den Großteil ihrer Produktion ins Ausland zu verlegen, sowie drastische Personaleinsparungen vorzunehmen. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden 1700 Mitarbeiter aus den Bereichen Heimcomputer und Elektronik entlassen.

Die Produktion dieser Unternehmensbereiche wurden nach Hong Kong und Taiwan verlegt, wo Atari bereits einige Konsumelektronik-Produkte fertigte. Trotzdem konnten die hohen Verluste auch im darauffolgenden Jahr nicht aufgefangen werden, Atari entließ weitere 1000 Beschäftigte und schloß eine seiner Produktionsstätten in Hong Kong. In den vergangenen zwei Jahren hatte Atari somit seine Belegschaft bereits von 7800 auf 2500 Mitarbeiter reduziert. Durch die Vermittlung einer New Yorker Bank trat dann das Warner Management an einen Mann namens Jack Tramiel heran, um ihn für die Übernahme Ataris zu begeistern. Tramiel hatte kurz zuvor die von ihm gegründete Firma Commodore verlassen.Wie es das Schicksal wollte, konnte Tramiel dann Atari gegen eine Schuldverschreibung zu sehr günstigen Bedingungen übernehmen. Viele von Tramiels ehemaligen Mitarbeitern bei Commodore waren ihm in der Zwischenzeit gefolgt, weil er mit ihnen eigentlich eine neue Computerfirma hatte gründen wollen.

Bei der Übernahme standen ihm als neben der alten Atari-Crew, die er zwar zum größten Teil entließ, auch sofort seine ehemaligen Commodore-Mitarbeiter zur Seite. Die Produktion und Entwicklung von Spielautomaten wurde als "Atari Games" aus dem gemeinsamen Unternehmen noch vor der Übernahme Tramiels ausgegliedert und eigenständig weitergeführt. Mit Jack Tramiels Anfang bei Atari begann das Ende der Atari 8-Bit-Computer. So gut wie alle noch in den Entwicklungslabors befindlichen Weiterentwicklungen für die XL-Serie wurden eingestellt und überstiegen niemals das Stadium des Prototyps.

Jack Tramiel setzte alles auf eine neue Computerreihe, die ST-Reihe. Der ST war damals einer der ersten 16-Bit-Computer und verfügte über den leistungsfähigen Motorola-Prozessor der 68000-Serie. Die Geschäfte Ataris gingen langsam wieder bergauf, das Schlußquartal 1984 konnte bei einem Umsatz von 150 Millionen Dollar endlich wieder mit Gewinn abschließen. Nachdem die Belegschaft nach der Übernahme durch Tramiel zunächst kräftig reduziert worden war, wurde sie nun in den Bereichen Engineering und Produktion um 500 Mitarbeiter aufgestockt.

Obwohl bereits 1984 die Entwicklung der Videogame-Konsole 7800 abgeschlossen war, wurde es noch nicht produziert, weil man befürchtete, es würde sich wegen des erheblichen Einbruchs im Videospiele-Markt nicht verkaufen. 1985 war es schließlich soweit, Atari brachte den Atari 260ST und 520 ST heraus. schienen die letzten Rechner der 8-Bit-Reihe, die 800/65 XE und 130 XE, die bereits das gleiche Design, wie die ST-Computer besaßen, sich von den technischen Details her aber nur unwesentlich von den Rechnern der XL-Serie unterschieden.

1986 wurde die ST-Reihe durch einen weiteren Computer ergänzt, den Atari ST 1040 der erste Computer mit 1 MB Speicher für weniger als 1000 Dollar. Zusätzlich wurden verschiedene Peripheriegeräte, wie z. B. Laserdrucker entwickelt, die den Computer gerade für den DTP-Markt interessant machte. Besonders interessant war der ST außerdem durch seine MIDI-Schnittstelle für den Musik-Markt. In fast jedem Tonstudio zu dieser Zeit übernahm ein Atari ST die Arbeit. Detalierte Informationen zu der Atari ST/TT/Falcon Familie sind unter Atari-Computer zu finden.

Die ST-Reihe war mittlerweile zu einem großen Erfolg geworden, Commodore trat diesem Erfolg mit dem AMIGA entgegen, einem Rechner, der zuvor von einer kleinen Firma aufgekauft wurde und von Atari-Mitarbeitern entwickelt worden war. So hatten die erfolgreichsten Computer der 8- und 16-Bit-Zeiten maßgeblich nur zwei "Väter": J. Miner (Vater der 8-Bit-Ataris und des Amigas) und S. Shivji (Vater des C-64 und Atari ST).

1987 stellte Atari auf der "Computer Electronics Show" in Las Vegas nun weitere Neuentwicklungen vor. Es wurde damit begonnen, eine IBM-kompatible Computer-Reihe zu verkaufen, die jedoch niemals besondere Bedeutung gewann.

Zusätzlich wurde der neue Mega ST vorgestellt, eine kompakte Version des Atari ST, der entweder mit 1, 2 oder 4 MB Speicherkapazität erhältlich war. Einschließlich Diskettenlaufwerk, monochromen Bildschirm und dem neuen Laserdrucker (300 Punkte pro Zoll) gab es den Mega ST als DTP-System für unter 3000 Dollar.

Schließlich wurde in diesem Jahr, angetrieben von dem neuen Videospiele-Erfolg, den Firmen wie Nintendo erzielen konnten, das VCS 7800 auf den Markt gebracht; leider erheblich zu spät, da andere Hersteller ihre Geräte bereits auf dem Markt etablieren konnten und zudem über eine modernere Technik verfügten. Das VCS 7800 gewann leider niemals an besonderer Bedeutung und führte eher ein Schattendasein.

Tramiel kaufte zudem noch eine kleine Firma in England, die einen Computer mit einer neuartigen Technik entwickelt hatte, einen "Transputer". 1988 war es soweit, der ATW800, Ataris Transputer Workstation wurde fertiggestellt, verschwand allerdings recht bald wieder in der Bedeutungslosigkeit.

1989 war erneut ein Jahr der Neuentwicklungen. Eine Weiterentwicklung des Atari 1040ST, der 1040STE erschien. Wie so oft in Ataris Firmengeschichte reagierte man damit leider viel zu spät auf die Konkurrenz. Commodore hatte zu dieser Zeit mit seinem Amiga erheblich an Bedeutung gewonnen und trug dazu bei, daß Ataris Verkaufszahlen immer schlechter wurden.

Ebenfalls erschienen 1989 der Atari TT, Ataris erster 32 Bit - Computer für den professionellen Einsatz, der sich später leider ebenfalls sehr schlecht verkaufte, das erste MS-DOS-kompatible Palmtop mit dem Namen PORTFOLIO, sowie das weltweit erste hand-held Videogame-System LYNX.

Immer mehr machte sich zu dieser Zeit das absolute Fehl-Marketing der Firma Atari und der Tramiels bemerkbar. Die leider immer geringer werdende Kundschaft wurde mit Versprechungen für neue Produkte "bei der Stange gehalten", diese Produkte erschienen jedoch entweder immer viel zu spät oder sogar nie. Sehr gute neue Produkte, wie z. B. der Portfolio oder das LYNX VCS wurden so gut wie nicht beworben, um große Vertriebspartner wurde sich ebenfalls viel zu wenig bemüht, so daß es zwar viele gute Geräte gab, jedoch die breite Masse von deren Existenz nichts wußte und deshalb zu Produkten der Konkurrenz, wie z. B. Nintendo oder Sega (Game Boy, Game Gear usw.) griff.

Ein weiteres, in der Bedeutungslosigkeit gesunkenes Produkt, war das Atari STACY, der erste tragbare ST, der jedoch niemals in größeren Stückzahlen verkauft wurde.

1991 wurde der Mega-STE, sowie das ST-Book, ein ST-Laptop, veröffentlicht. Atari begann wieder, mit Verlust zu arbeiten. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 1990 erlitt Atari einen Netto-Betriebsverlust von ca. 20 Millionen Dollar. Der vergleichbare Zeitraum 1989 hatte Atari noch einen Gewinn von 5,8 Millionen Dollar beschert.

1992 war das Geburtsjahr des Falken, der Atari FALCON erschien und kaum jemand wußte es. Atari zögerte die Fertigstellung des Falcon immer weiter heraus, größere Stückzahlen wurden niemals produziert, Werbung für diesen hervorragenden Computer wurde niemals im größeren Stil gemacht. Größere Vertriebspartner gab es keine.

Der Commodore Amiga war immer noch in aller Munde, den Atari Falcon kannten nur eingefleischte Fans, dabei war dies ein, gerade für den Multimedia-Bereich, hervorragendes Gerät, das über einen DSP-Chip verfügte.

Ein weiteres Glanzstück Ataris wurde 1993 in Abwesenheit der Öffentlichkeit auf den Markt gebracht; während Hersteller, wie Sega und Nintendo ihr großes Geld noch mit 16-Bit-Video- Game-Systemen machten und sich ihre 32-Bit-Konsolen in der Entwicklung befanden, brachte Atari die weltweit erste 64-Bit-Konsole JAGUAR auf den Markt. Da man, um Kosten zu sparen, den Großteil der eigenen Produktionsstätten verkauft hatte, schloß man einen Vertrag mit IBM, die den Jaguar sodann produzierten.

Das, was einmal so großartig begonnen hatte, verschwand stillschweigend und ohne großen Rummel, kaum jemand merkte, daß Atari aufhörte zu existieren. In Deutschland begann der Rückzug bereits viel früher. 1995 wurde die Niederlassung Ataris nach einem Umzug von Raunheim in ein kleines Büro in Schwalbach/Ts., geschlossen. Ebenso erging es allen anderen Niederlassungen in Europa. Das letzte offizielle Atari-Unternehmen in Europa war das Zentrallager in den Niederlanden. Dort befanden sich mehrere Anrufbeantworter, zu denen die Gespräche der Atari-Kunden weitergeleitet wurden, die die ehemalige Nummer von Atari Deutschland wählten. Rückrufe gab es kaum, da nur noch einige Mitarbeiter Ataris dort arbeiteten.

Zum Schluß war es nur noch ein einziger Mitarbeiter, der lediglich die Aufgabe hatte, die noch im Lager befindlichen Produkte in Form von Auktionen an Meistbietende palettenweise zu verkaufen. Nachdem er Ende 1995 seine Schuldigkeit getan hatte und das Lager mehr oder weniger geräumt war, wurde die Anmietung der Lagerhalle und somit die Existenz von Atari Europe beendet. So endete nach 24 Jahren die Geschichte eine der größten, innovativsten Computerfirmen der 70er, 80er und 90er Jahre. Atari hat in seiner Firmengeschichte immer wieder Zeichen gesetzt und zahlreiche maßgebende Entwicklungen hervorgebracht, wie z. B. den legendären Atari Joystick, der noch heute Vorbild der heutigen Joysticks ist.

Die Unternehmensführung sollte weiterhin bei Unternehmensgründer Jugi Tandon als Chairman, sowie Tom Mitchell liegen, der Seagate mit aus der Taufe gehoben hat und nun bei JTS als CEO tätig war. Die Verluste Ataris beliefen sich in den ersten neun Monaten des Jahres 1995 bereits 22 Millionen Dollar bei 12 Millionen Dollar Umsatz.

Und wieder war es das große Marketing-Talent Ataris, welches dafür sorgte, daß der Jaguar zum betriebswirtschaftlichen Flop wurde. Die beste Technik nützt nichts, wenn so gut wie niemand durch Werbung davon in Kenntnis gesetzt wird, es das Gerät nur sehr selten und an sehr "geheimen" Orten zu kaufen gibt und auch die neuen Spiele nur sehr zögerlich auf den Markt gebracht werden. So ist es auch nicht verwunderlich, daß Nintendo 1997 sein neue Konsole Nintendo-64 als das erste 64-Bit-Videogame-System anpries und niemand dagegen hielt, daß Atari bereits vier Jahre diese Leistung erbracht hatte.

1996 war schließlich das traurigste Jahr in der bisherigen Atari-Geschichte. Atari bzw. Jack Tramiel kaufte sich bei der 1994 gegründeten Firma JTS, einem Festplattenhersteller ein und beschloß, mit diesem Unternehmen zu fusionieren und künftig unter diesem Namen zu agieren. Nach der Fusion sollten 60 Prozent des gemeinsamen Firmenkapitals den Atari Anteilseignern gehören, die den Deal nur noch genehmigen mußten. Jack Tramiel und seine Familie, die zu dieser Zeit 42 Prozent an Atari hielten, sollten nach der Fusion mit 25 Prozent an JTS beteiligt sein.

Die Atari-Niederlassung in Sunnyvale/USA. Die deutsche Atari-Niederlassung in Raunheim

Genügend Eigenkapital für die Übernahme, die rund 80 Millionen Dollar kosten sollte, war allerdings noch vorhanden. JTS hingegen war allerdings sehr knapp bei Kasse und erhielt deshalb im Vorwege eine Finanzspritze in Höhe von 25 Millionen Dollar. Am 30.07.1996 war es schließlich soweit. Die Atari Corp. und die JTS Corp. fusionierten und firmierten ab sofort unter dem Namen JTS. Die Firma ATARI hörte somit faktisch auf, zu existieren. Alle Namensrechte und Patente gingen auf die neue, gemeinsame Firma über.

Sämtliche Weiterentwicklungen und Produktionen Ataris wurden eingestellt. Was JTS mit den vielen Atari-Produkten, die bei der Übernahme noch in den Lagern vorhanden waren, vor allen Dingen mit vielen Atari JAGUAR machen soll, weiß man wohl bis heute nicht.

Am 23.02.1998 kam es schließlich erneut zum Verkauf sämtlicher Atari-Rechte und Produkte, die an die Firma JTS übergegangen waren. An diesem Tag verkaufte die JTS Corp. ihre kompletten Atari-Rechte an das Unternehmen Hasbro Interactive XI Corp. einer 100 % igen Tochtergesellschaft des relativ großen HASBRO-Konzernes. Der Kaufpreis betrug in cash 5.000.000 US-$. Wenn man bedenkt, was eine Firma wie Atari alles hervorgebracht hat und was sie einmal wert war, ist das geradezu ein lächerlich geringer Preis gewesen.

Große Pläne scheint Hasbro in Bezug auf Atari-Hardware nicht zu haben. Wahrscheinlich wurden die Rechte lediglich zu dem Zweck erworben, einige Atari-Spiele neu aufzulegen und für die aktuellen Konsolen und den PC auf den Markt zu bringen.

Am 05.02.2003 feierte Nolan K. Bushnell seinen 60. Geburtstag, kurz daurauf folgte die Wiedergeburt von Atari. Der französisch-amerikanische Spieleentwickler Infogrames Entertainment benennt sich um und firmiert künftig unter dem Namen des Pioniers der Videospiele: Atari. Die Rechte an Atari hatte sich Infogrames im Zuge der Übernahme der Computerspiel-Abteilung von Hasbro Interactive im Jahre 2001 gesichert. Infogrames gilt als größter europäischer Videospielehersteller und erwirtschaftete allein im ersten Quartal 2003 mit Programmen für PCs und Spielekonsolen einen Umsatz von 143,1 Millionen Euro. Sicherlich kein Aufschwung für die Weiterentwicklung des TOS-Systems, aber für jeden Atari-Fan ein gutes Gefühl.